Zeitzeugen berichten

11.09.2018
Kategorie: Aktuelles
von  NGW-Redaktion/mk

 

Die Flucht und Vertreibung der Ostdeutschen nach dem 8. Mai 1945

 

von Jesper Budde (Jg. 12)

 

Freitag - 07.09.2018. Heute haben sich alle drei Geschichtsleistungskurse des 12. Jahrgangs in der Bibliothek zusammengefunden. Stühle stehen dicht hintereinander gereiht, ausgerichtet auf eine historische Europalandkarte. Die Karte stellt Europa um das Jahr 1945 dar. Deutschland ist darauf in den Grenzen von 1937 zu erkennen. Der 2. Weltkrieg war am 8. Mai 1945 gerade entschieden. Das Deutsche Reich unter Hitler war von den Alliierten besiegt worden, weshalb sich die Frage stellte: Was geschieht mit Deutschland? Auf der Konferenz von Jalta vom 4. bis zum 11. Februar 1945 wurde bereits vor offiziellem Kriegsende über deutsche Gebietsabtretungen diskutiert. Die Oder-Neiße-Grenze, heute die deutsch-polnische Grenze, war von der Sowjetunion und Polen gefordert worden, beschlossen war sie jedoch aufgrund Bedenken Englands und der USA noch nicht. Sofort - sowie noch einige Jahre nach Kriegsende - siedelte die Sowjetunion nach eigenem Ermessen bereits Menschen um, was in der ungewissen Nachkriegszeit nur noch mehr Unruhe schuf.

 

Die Thematik am heutigen Vormittag ist keinem der Anwesenden unbekannt. Ausgiebig und ausführlich haben die Kursleiter/-innen Frau Bonick, Frau Dörschel und Herr Ringsdorf darüber unterrichtet, auch eine Klausur hat jeder Kurs zu diesem Thema bereits geschrieben. Doch heute werden die Schüler direkten Kontakt zur damaligen Zeit knüpfen können. Zwei ehemals als Jugendliche vertriebene Männer sind eingeladen: echte Zeitzeugen. Karl-Heinz Ilchmann (85) und Heinz Jäschke (88) stellen bereits zum zweiten Mal ihre persönlichen Lebensgeschichten den Geschichtsleistungskursen am NGW vor. Das letzte Mal waren sie 2016 da gewesen.

 

Die fast 60 Zuhörer werden schlagartig still, als Herr Ilchmann das Wort ergreift und beginnt seine verschriftlichten Erlebnisse vorzutragen. Geboren und bis zum 13. Lebensjahr aufgewachsen sei er in Schlesien, einem ehemals deutschen Ostgebiet. Spannend ist es davon aus erster Hand zu hören, wie nach Kriegsende der schreckliche Einmarsch der Roten Armee folgte. Herr Ilchmann wird mit seiner Mutter und Geschwistern vertrieben. Im festen Glauben daran bald zurückzukehren, wird nur das Nötigste mitgenommen. Unter miserablen Zuständen werden sie per Zug nach Norddeutschland transportiert. Schließlich kommen sie in Sande an, wo er bis heute lebt und sich heimisch fühlt. Auch Herr Jäschke kommt aus Schlesien. Ihn verschlug sein Schicksal ebenso nach Niedersachsen. Angekommen in Sengwarden lebt auch er heute noch dort. Seine Heimat jedoch - so erzählt er dem Auditorium auf Nachfrage - läge immer noch in Schlesien ...

 

Beide Zeitzeugen schildern die Zeit detailliert. Eine Fragerunde folgt auf die Vorträge. 90 Minuten lang ist die volle Aufmerksamkeit der Schüler bei den Herren. Alle scheinen zu verstehen, wie kostbar und immer rarer die Gelegenheit ist, jenen Teil der deutschen Geschichte auf so unmittelbare Weise zu erfahren. Das Zeitzeugengespräch endet schließlich mit lautem Applaus. Eine beeindruckende und sehr informative Veranstaltung!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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